Mütze #16 ist da

Mütze$16

Die Herzstücke des Heftes bilden drei lange Gedichte von Jerome Rothenberg, die Norbert Lange aus „Poland/1931“ ausgewählt und übersetzt hat, und der Anfang von Svein Jarvolls sprachmächtiger Reise zu den Antipoden, übersetzt von Matthias Friedrich. Das Heft bringt außerdem die von Robert Kelly Martin Traubenritter zugeschriebenen „Gewissheiten“ sowie den dritten Teil des langen Interviews mit Kelly, in dem dieser sich tief in seine Lektürelisten blicken lässt. Bestellungen nimmt gerne entgegen urs@engeler.de oder https://muetze.me/muetze-bestellen.html.

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Timo Brandt bespricht die Mützen #13 und #14

In seiner langen Besprechung auf fixpoetry kommt Timo Brandt zum Fazit:

Die Kontinuität (die sich u.a. auch zeigt im Aufgreifen der Beiträge der vorherigen Ausgaben, dem Dialog der Beiträge) scheint in der „Mütze“ eine wichtige Sache zu sein. Poesie – Poetik, das beides wird hier großgeschrieben und sehr gleichberechtigt nebeneinandergestellt. Zumindest mir geht da das Herz auf und Entzücken stellt sich ein. Bei der Mütze auf dem Laufenden zu bleiben, wird sich glaube ich lohnen.

Hier die ganze Besprechung.

Birgit Kempker, Elke Erb, Michael Donhauser, Peter Geißler, Gherasim Luca

Mein alter Weggefährte Guido Graf, Professor in Hildesheim, der dort die Literaturvermittlung bereits mittels Litradio neu erfunden hat, bricht mit der literarischen  Revue Pfeil und Bogen zu neuen digitalen Ufern auf. Gleich an fünf Autoren, mit denen ich gearbeitet habe, erinnert Graf in der Rubrik „Die Beute„:

Michael Donhauser mit „Sarganserland“

Birgit Kempker und die Sphinx von Pontresina

Birgit Kempker und „Mike und Jane“

Peter Geißler und seine „Vogellieder“

Ghérasim Luca und „Das Körperecho / Lapsus linguae“

Elke Erb und „Sonanz“

Die Lyrik-Empfehlungen 2017 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung

Gleich drei roughbooks werden von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung für 2017 empfohlen:

Mara Genschel: Cute Gedanken
roughbook 042

«Was habe ich zu verkörpern, als »hinkender, / angeschossener General (mit / eisblaue mm Haar)«? How to live a poet’s life? Geht es noch um Fragen der Ästhetik oder schlicht um Sichtbarkeit? Genschel erörtert in guten, so zaghaften wie treffenden, mehr analogen als digitalen und zudem feinen Gedichten, was Höflichkeit mit Negation zu tun hat. Steckt die Verzweiflung tief in den Knochen, während die Theorie nur die Hautoberfläche liebkost? Wer weiß. Bei Cute Gedanken handelt es sich um ein widerständiges und verführerisches Produkt der cia, die hochkomische Abschrift eines Residenzstipendiums in Iowa für »Autor und rinnen«. Genschel stellt sich im Zwiegespräch mit der Korrekturfunktion ihres amerikanischen Mobiltelefons den strukturellen Bedingungen der Produktion. Halb »Susan / men hang loser Zombie«, der keine Ahnung hat, wie gut das ist, was er tut, halb Generalin der Avantgarde. Das ist Institutionskritik auf hohem Niveau, in zärtlichem Brockenenglisch, mir einer immensen Empathie für fehlerhafte Menschlichkeit.» (Empfehlung von Monika Rinck)

Hans Thill: Dunlop
roughbook 035

«Die Gedichte in Hans Thills neuem Band finden ihr Ausgangsmaterial in anderen Dichtern. Thill hält die Sprache von Petrarca und John Donne, Paul Fleming, Georg Trakl, Daniel Heinsius und Hölderlin in der Hand, schnuppert die Schrift, die Bilder, die Wendungen, die Musik und schließt mit ihnen Bekanntschaft, nicht durch Übersetzung, sondern durch Fortführung. Kenntnisnahme durch Sprache – darin ist Hans Thill ein Akrobat. Sein Schwindelgefühl wird unser Schwindelgefühl. Als Oskar Pastior 33 Gedichte von Petrarca zu den seinen machte, schrieb er von dem Reiz, »unter die Kuppel einer fremden Sprache zu treten, sozusagen in einen Raum, in dem die Eigengeräuschlichkeit deutlich wird.« Hier ist es ähnlich. Hans Thill ergeht sich in wilden Assoziationen und ureigenen Geräuschen, zeigt Irreverenz gegenüber den »Meistern« und hebt doch ihre schimmernden Schätze, übertölpelt sich und erfrischt uns. So birgt der typographisch raffinierte Band eines der schönsten Sprachprojekte der letzten Jahre.» (Empfehlung von Joachim Sartorius)

Erín Moure: O Cadoiro
herausgegeben und übersetzt von Uljana Wolf
roughbook 037

«Was ist »translinguale Poesie«? Ein ganz starkes, poetisch vibrierendes Exempel für »mehrsprachige Dichtung«, in der die Sprachgrenzen überschritten werden, führt Uljana Wolf in ihrer Übersetzung von Erin Moures im Original 2007 erschienenen Gedichtband O Cadoiro vor. Im kanadischen Original geht es um eine Anverwandlung der cancioneiros, einer Sammlung der galizisch-portugiesischen Troubadour-Lyrik des 12. und 13. Jahrhunderts. Die Kanadierin Moure hat sich von den iberischen Liedersammlungen zu sehr eigenwilligen Fortschreibungen dieser Gedichte inspirieren lassen. Uljana Wolf wiederum hat nach einer Form der mehrsprachigen Übertragung dieser »cantigas de amor« gesucht, in der das Diverse, die Überlagerung der verschiedenen Sprachen nachklingt. So entwickelt sie eine Gedichtsprache, die zwischen dem Hochdeutschen, dem Mittelhochdeutschen, dem Englischen und dem Portugiesischen changiert. Eine Durchmischung der Sprachregister: Hoher Ton, Jargon, Abbreviaturen, Anspielungen auch auf allerjüngstes Kampf-Vokabular (»Lügenpresse«) … Und ein großes babylonisches Sprachvergnügen.» (Empfehlung von Michael Braun)

Mara Genschel, Cute Gedanken

Patrick Wilden bespricht „Cute Gedanken“ von Mara Genschel

diner von such

Mara Genschel hat ein neues Buch geschrieben gesimst, und genau genommen (und wie nicht anders zu erwarten) ist es auch kein Buch, sondern ein Urs Engelersches roughbook (Nr. 042, erschienen: Januar 2017), also wörtlich genommen ein „Schmierbuch“, und in der Frage, wie man mit SMS „schmieren“ kann, liegt wohl bereits die erste Pikanterie. […]  Mara Genschel bleibt sich treu: nicht mehr musikalisch zerbrochene Lyrik, keine textuellen Anwürfe auf leere weiße DIN-A5-Seiten (wie in den „Referenzflächen“) – in ihrem „Schmierbuch“ wird die vorprogrammierte Apparatur selbst zur Künstlerin. Der Effekt ist verblüffend – wer Spaß hat an Sprache, sieht in ihrer – gut gemeinten – Zersetzung eine Art von Humor am Werk. „Ich bin diner / von such.“ Wer hätte gedacht, daß Mara Genschel sich mit so klaren Worten zu den Poeten bekennt!

[Die ganze Besprechung bei fixpoetry: http://www.fixpoetry.com/feuilleton/kritiken/mara-genschel/cute-gedanken]

Bestellen von Mara Genschel, Cute Gedanken: bitte gerne über die roughbook-Seite http://roughbooks.ch/books/roughbook042mara-genschelcute-gedanken.html